Vorwort
Reader zu studentischen Verbindungen in Tübingen
Die Frage nach dem Verbindungswesen im universitären Leben stellt sich uns Tübinger Studierenden des AK Clubhausias
in erster Linie als eine politische. Neben der Betrachtung der
kulturellen und sozialen Aspekte dieses Phänomens, lohnt sich auch der
Blick auf die juristischen Meinungen und Entscheidungen, die in der
Öffentlichkeit teilweise kontrovers diskutiert und bewertet werden. Mit
den Inhalten dieser Informationsblätter wollen wir zum einen
darstellen, was das Verbindungswesen und im Besonderen rechtsextreme
Burschenschaften zu einem allgemeinen politischen Thema macht, indem
wir historische Hintergründe beleuchten und aktuelle gesellschaftliche
Zusammenhänge herausstellen wollen. Zum anderen soll diese lose
Aufklärungsschrift ein wenig Licht werfen auf das studentische Leben in
den lokalen Verbindungen, von Pressestimmen und Stellungnahmen von
öffentlicher Seite berichten, sowie erhellen wie das politisch aktive
Leben in Tübingen mit diesem Thema umgeht. Ob es sich bei den
Verbindungsstudenten tatsächlich um einen "Haufen von verhetzten,
irregeleiteten, versoffenen, farbentragenden jungen Deutschen” handelt,
wie Kurt Tucholsky einmal konstatierte, wollen wir nicht entscheiden.
Dafür aber wollen wir den Tübinger Studierenden Informationen,
Recherchen und Meinungen an die Hand geben, um für sich selbst die
Frage nach der Sinnhaftigkeit und Bedeutung von studentischen
Korporationen entscheiden zu können. Eine Frage aber, so finden wir,
die von der allgemeinen Öffentlichkeit beantwortet werden sollte, ist,
ob es sich bei den Verbindungen um zu fördernde Einrichtungen durch die
öffentliche und offizielle Hand und insbesondere durch die
universitären Entscheidungsträger handelt. In den folgenden
Ausführungen zur Geschichtsauffassung verschiedener Verbindungen und
der ihrer Dachverbände, zum Selbstverständnis studentischer
Korporationen, den Artikeln zu Seilschaften und Elitenbildung,
Männerbünden und Sozialverhalten, und nicht zuletzt wegen der geistigen
Nähe zu Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus einzelner
Burschenschaften, kommen wir zu einem klaren Nein. Den aktuellen
Anlass, mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, bildet nicht
nur die scheinbar natürlich gewordene und unreflektierte Akzeptanz des
Verbindungswesens. Wir wollen auch die Erfahrungen der letzten Jahre in
Tübingen an der Uni und mit der Stadt besonders in Hinblick auf die
Ereignisse am alljährlichen Dies Universitatis und dem Maieinsingen der
Tübinger Korporierten kritisch zu Bewusstsein bringen. Wir hoffen, mit
sachlichen und differenzierten Beiträgen zu einer breiten
Auseinandersetzung mit diesem Thema an der Uni beizutragen und auch
einen zentralen Punkt der Motivation zu dem Alternativen Dies Universitatis in Tübingen vermitteln zu können.

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